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Diese Fußball-Profis sind schwul

Author: escronanlt

DER GANZE POST IN EINZELNEN KURZVIDEOS ODER ALS DOSSIER

Vom ersten offen schwulen englischen Premier-League Profi bis zum Sohn der Ikone

Justin Fashanu wurde mit einem spektakulären Tor in der Saison 1979/1980 zum Star. Foto: Allsport
Justin Fashanu wurde mit einem spektakulären Tor in der Saison 1979/1980 zum Star. Foto: Allsport

Justin Fashanu – Der Erste. Und dann Selbstmord

Am Tag, als Justin Fashanu sterben wollte, spazierte er ein letztes Mal durch das Londoner East End. Im Stadtteil Shoreditch bog er in die Fairchild Street ein und besuchte die Gay-Sauna „Chariots“. Zeugen berichteten später, er sei gut gelaunt gewesen.

Am nächsten Morgen fand die Polizei Fashanu in einer Nebenstraße, um seinen Hals ein Elektrokabel, er baumelte von einem Holzbalken einer Garage. Das war der 3. Mai 1998.

18 Jahre vorher wurde Justin Fashanu ganz plötzlich zum Star. Da war er 19 Jahre alt. Und der Grund war ein Tor. Der Mittelstürmer in Diensten von Norwich City schießt es in der Saison 1979/1980 gegen den FC Liverpool, und es ist wirklich phänomenal: Fashanu steht in halbrechter Position etwa 20 Meter vor dem gegnerischen Tor und erwartet den Pass eines Mitspielers. Mit dem rechten Außenrist lässt er den Ball auf Hüfthöhe abtropfen, dann dreht er sich und schießt den Ball volley mit links in den Winkel.

Die Sendung „Match of the Day“ wählt den Treffer zum Tor der Saison, und Fashanu wechselt für mehr als eine Million Pfund zu Europapokalsieger Nottingham Forest. Die Presse berichtet ausführlich über ihn, denn so viel ist in England bis dahin noch nie für einen schwarzen Fußballer gezahlt worden. Fashanu tritt in Talkshows auf, schreibt Autogramme und fühlt sich wohl.

Mitschuld am Tod Fashanus

Justin Fashanu spielte unter anderem auch in Neuseeland, Schweden und Schottland.
Justin Fashanu spielte unter anderem auch in Neuseeland, Schweden und Schottland.

Er kauft sich flotte Sportwagen und lässt sich für Magazine in roten Lederanzügen fotografieren. Auf dem Platz gelingt ihm allerdings bei Nottingham Forest nicht viel, für den Klub schießt er in 35 Spielen ganze drei Tore. Verzieh man ihm in Norwich Fehlschüsse, toben sie bei Forest über jeden Ballverlust, insbesondere der impulsive Coach Brian Clough.

Eines Tages findet dieser heraus, dass Fashanu in Schwulenbars verkehrt. Vor versammelter Mannschaft beschimpft er seinen Stürmer als „Schwuchtel“ und wirft ihn später aus dem Kader. Als Fashanu trotzdem beim Training erscheint, ruft Clough die Polizei. In seiner Biografie räumt der Coach hinterher eine Mitschuld am Tod Fashanus ein.

Fashanus Leben gerät aus der Bahn, er verletzt sich am Knie, verbringt Monate in der Reha, versucht Neuanfänge in den USA, eröffnet eine Schwulenbar in Los Angeles, und als ein Freund ihm sagt, dass nur Jesus ihm helfen kann, schließt er sich einer protestantischen Fundamentalisten-Gruppe an. Er predigt gegen die sexuelle Lust, hält sich aber weiterhin in der Schwulenszene auf, geplagt vom Glauben, dass eine gleichgeschlechtliche Beziehung eine schwere Sünde sei.

Dann kommt der 22. Oktober 1990, ein Tag, der England in Wallung versetzt. Die „Sun“ veröffentlicht ein Foto von Fashanu mit der Schlagzeile: „Eine Million Pfund teuer Fußballstar: ‚Ich bin schwul!’“ Fashanu ist der erste Fußballprofi, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Fashanu erhält 80.000 Pfund,  eine Summe, die ihm sein Bruder John zuvor ebenfalls angeboten hatte, wenn er sich nicht outen würde. Es folgt eine Serie in der „Sun“, Fashanu berichtet von Sex mit Popstars, Mitspielern oder Abgeordneten des britischen Parlaments. Er verdient gut, denn für jede neue Story gibt es Geld. Fashanu ist zurück im Rampenlicht, und es gefällt ihm.

Er vermutet, dass ihn die Leute als Pionier sehen. Tatsächlich geht vielen sein Öffentlichkeitsdrang auf den Nerv. Sogar die schwarze Community kritisiert ihn für sein Auftreten, und Mitspieler sagen, dass Homosexualität nicht zum Teamsport passe. Die letzten Freunde wenden sich ab, als Justin Fashanu öffentlich zugeben muss, dass er den Abgeordneten Stephen Milligan, mit dem er ein Verhältnis gehabt haben will, gar nicht kennt.

Fashanu wechselt wieder Wohnsitze und Vereine

Fashanu war der erste englische Fußballprofi mit Superstar-Status, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Foto: Getty Images
Fashanu war der erste englische Fußballprofi mit Superstar-Status, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Foto: Getty Images
Danach lässt das Interesse an seiner Person nach. Fashanu wechselt wieder Wohnsitze und Vereine, er spielt in Neuseeland, Schweden und Schottland. Nirgendwo bleibt er lang. 1998 heuert er als Trainer bei Maryland Mania in einer US-amerikanischen Amateurliga an. Bekannten erzählt er, dass er Besitzer des Clubs sei. Einer davon ist Donald H., ein 17-jähriger Junge, der eines Abends zu einer kleinen Party in Justins Wohnung erscheint.

Sie trinken Bier, rauchen Marihuana. Zwei Tage später steht ein Polizist vor Fashanus Tür und fragt, ob er homosexuell sei und in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1998 sexuellen Kontakt zu Donald H. gehabt habe. Fashanu verneint beide Fragen. Wenige Tage später verlässt er die USA in Richtung London. Danach verliert sich seine Spur.

Monate nach seinem Tod veröffentlicht eine Zeitung einen Abschiedsbrief: „Wenn irgendjemand diese Notiz findet, bin ich hoffentlich nicht mehr da. Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart. Ich will sagen, dass ich den Jungen nicht vergewaltigt habe.“ Fashanu war in London unter dem Mädchennamen seiner Mutter untergetaucht, weil er über die Presse erfahren hatte, dass Scotland Yard nach ihm fahndete.

Am Tag, als sich Justin Fashanu das Leben nahm, stellte sich heraus, dass es sich um eine Falschmeldung handelte. Man kann über Fashanu urteilen wie man will. Aber er war der erste Profi der Premier League, der sich traute, sein Schwulsein öffentlich zu bekennen.

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Anton Hysen – Der Sohn des Nationalspielers

Anton Hysén outete sich 2011.
Anton Hysén outete sich 2011.

Anton Hysén ist der jüngste Sohn des schwedischen Nationalspielers und erfolgreichen Trainers Glenn Hysen. Sein Coming out in 2011 war ein ‘global one-off’.

Und für einige ein Schock. Denn Anton war als Spieler aktiv und blieb das auch. Seine einleuchtende Begründung:

„I had that thought about it for a second, but then again I was like, fuck it. People are always going to say whatever they’re going to say, and people gets stuff said to them no matter who you are and what you do, so I was like, fuck it.“

Die Eröffnungsrede des Glenn Hysen

Anton Hysén ist der jüngste Sohn des einstigen schwedischen Nationalspielers und erfolgreichen Trainers Glenn Hysen. Foto: Getty Images
Anton Hysén ist der jüngste Sohn des einstigen schwedischen Nationalspielers und erfolgreichen Trainers Glenn Hysen. Foto: Getty Images

Glenn Hysen hielt die Eröffnungsrede beim Pride Festival 2007 in Stockholm. Dort setzte er sich mit der Homosexualität seines Sohnes auseinander.

Dieser nahm wie folgt Stellung zur Rede seines Vaters.

„Where the hell are all the others? No one is coming out.“

Glenn Hysen hielt die Eröffnungsrede beim Pride Festival 2007 in Stockholm. Dort setzte er sich mit der Homosexualität seines Sohnes auseinander. Foto: Getty Images
Glenn Hysen hielt die Eröffnungsrede beim Pride Festival 2007 in Stockholm. Dort setzte er sich mit der Homosexualität seines Sohnes auseinander. Foto: Getty Images
„Until now only my family and friends have known about my sexuality – well I think so, at least. That was the funniest thing when my dad made that speech. When he was talking about ‚a 16-year-old who didn’t want to come out because he feared what his team‑mates would think‘, that was me. And people thought it so bloody strange that he was allowed to speak at the Pride Festival, that he was a homophobe and so on. Shit, they were so wrong.

„It is completely strange, isn’t it? It’s all fucked up. Where the hell are all the others? No one is coming out.“

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