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Diesen 12 WM-Ikonen widerfuhr übles

Author: Thomas Look

DIE STORY IN KURZEN VIDEOS

DIE STORY IN KURZEN ESSAYS

Lebensdramen großer Fußballer

Wenn man oben im nationalen oder internationalen Fußballgeschäft war, ziemlich weit oben, sollte das eigentlich ein mehr als guter Ausgangspunkt für eine entspannte nächste Lebensphase gewesen sein.

War man Nationalspieler und nahm sogar an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil, ist die Chance groß, dass das weitere Leben auch eher erfolgreich und sorgenfrei verlaufen könnte. 

Tragisch, was Andres Escobar passierte. Mandatory Credit: Shaun Botterill/ALLSPORT
Tragisch, was Andres Escobar passierte. Mandatory Credit: Shaun Botterill/ALLSPORT

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Landon Donovoan war einst für den FC Bayern aktiv. Foto: Getty Images

Aufstieg, Abstieg, Drama und Tragödie

Drama auf dem Platz. Foto: Imago
Drama auf dem Platz. Foto: Imago

Doch es gibt eine ganze Reihe von Fällen, da stimmt genau das nicht. Die ehemaligen WM-Superstars verarmten nach der Karriere und starben in Armut.

Oder sie endeten mit Alkoholproblemen oder verübten Selbstmord. Einige starben auch durch einen tragischen Unfall viel zu früh. Oder sie hatten psychische Probleme oder wurden krank.

Wir beschreiben 12 tragische Fälle der neueren Fußballgeschichte. Nationalspieler und WM-Stars, denen nach der Fußballerkarriere Übles widerfuhr.  Nicht schön….aber zum Teil lehrreich und in jedem Fall aufschlussreich.

Stars und das "richtige" Leben

Betrogene unter sich. Foto: Imago
Betrogene unter sich. Foto: Imago

Wir erzählen wirklich außergewöhnliche Fälle. Es geht uns um die Lebensdramen von einigen der größten Fußballern aller Zeiten. Und es sind diverse Nationalitäten und Fußballer aus verschiedenen Fußball-Epochen in unserem Post.

Aus den Anfängen des professionellen Fußballs, dem goldenen Zeitalter der fußballerischen Spielfreude von 1945 bis 1970 und der globalisierten Fußballszene der letzten 50 Jahre.

Und es sind alle vertreten. Überragende Stürmer, filigrane Mittelfeldspieler, Torhüter mit dem gewissen Etwas. Und Abwehrkanten, die im richtigen Leben versagten oder einfach nicht zurechtkamen. Vielleicht fehlte ihnen der Ruhm auf dem Platz, die Tatsache nicht mehr in der Öffentlichkeit zu stehen, die Bewunderung der Fans.

Vielleicht hatten sie aber auch einfach nicht gelernt, wie man im richtigen Leben außerhalb der Arena zurecht kommt. Das hatten andere schon. Doch Krankheit oder die Missgunst anderer führten zum Drama.

Ikone 12 - 10: Vom tragischen brasilianischen Revolutionär bis zum "Bomber der Nation"

Unvergessen bei den Fans. Foto: Getty Images
Unvergessen bei den Fans. Foto: Getty Images

12. Socrates: Die tragische WM-Figur des brasilianisichen Fußballs

Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira (bekannt als Dr. Sócrates; * 19. Februar 1954 in Belém; † 4. Dezember 2011 in São Paulo) war ein brasilianischer Fußballspieler und Kinderarzt. Socrates ist der Inbegriff des tragischen Helden.

Im August 2011 wurde Sócrates mit Magenblutungen und entzündeter Leber in ein Krankenhaus eingeliefert und musste mehrere Tage auf der Intensivstation verbringen. In diesem Zusammenhang machte er seine Alkoholprobleme öffentlich. Am 4. Dezember 2011 starb er im Alter von 57 Jahren in São Paulo an einer durch eine Darminfektion verursachten Sepsis.

Socrates debütierte in der Selecao am 17. Mai 1979 gegen Paraguay und spielte insgesamt 60 Mal für die brasilianische Fußballnationalmannschaft. Dabei erzielte der Mittelfeldregisseur 22 Tore. Sócrates war Brasiliens Kapitän bei den Fußballweltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko. Der Mann mit dem längsten Namen unter allen je offiziell registrierten WM-Teilnehmern war die treibende Kraft in der Offensive der brasilianischen Nationalmannschaft der 1980er Jahre. Sócrates bildete zusammen mit Zico, Falcão und Toninho Cerezo das „magische Mittelfeld-Quartett“ Brasiliens, das auch die „Fantastischen Vier“ genannt wurde.

Dieses Team konnte, obwohl besonders vor der WM 1982 in Spanien favorisiert, nie den Weltmeistertitel gewinnen. Es gilt in Brasilien zusammen mit der 1970er Weltmeistermannschaft um Pelé dennoch als die beste Seleção aller Zeiten. Besonders unglücklich war dabei das Ausscheiden bei der WM 1986. Denn dort scheiterte das Team unglücklich knapp vor dem Halbfinale. Und Sócrates, der Elfmeter immer aus dem Stand schoss, vergab. Platini und Júlio César vergaben ebenfalls und Frankreich gewann das Elfmeterschießen mit 4:3. Nach der WM trat Sócrates von der Nationalmannschaft zurück.

„Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians soll Meister werden“.

Socrates als Antreiber des brasilianischen Spiels. Foto: Getty Images
Socrates als Antreiber des brasilianischen Spiels. Foto: Getty Images

Falcão und Zico folgten ebenfalls, so dass eine der großen Ären der brasilianischen Nationalelf zu Ende ging. Allerdings auch eine der erfolglosesten. Denn zu einem Weltmeistertitel reichte es eben nicht.

Nach eigener Aussage rauchte Socrates täglich 20 Zigaretten, trainierte eher wenig, feierte aber umso mehr. Bei Corinthians São Paulo setzte er basisdemokratische Strukturen durch (die sogenannte Democracia Corinthiana), so dass die Spieler fortan alles bestimmten. Von den Trainingszeiten bis hin zum Speiseplan. Sócrates, der 192 cm groß war, aber nur Schuhgröße 41 hatte und berühmt für seine Absatzkicks und Steilpässe mit der Hacke war, galt als Enfant terrible des brasilianischen Fußballs.

Er rief die Fans dazu auf, sich gegen die damalige Militärdiktatur und für die Demokratie zu engagieren. Zu seinen fußballerischen und politischen Mitstreitern gehörten der Kommunist und linke Verteidiger Wladimir sowie  der damals noch junge Walter Casagrande. Während der zwei Meisterschaften 1982 und 1983 nutzten Casagrande und die Democracia Corintiana immer wieder den Fußballplatz zur Demonstration ihrer politischen Einstellung, um beispielsweise in Trikots aufzulaufen, die den Slogan „Demokratie jetzt“ trugen.

Sócrates war studierter Arzt und wurde daher auch Dr. Sócrates genannt. Da er parallel zu seiner Laufbahn als Fußballprofi sein Studium absolvierte, verpasste er die Teilnahme an der WM 1978 in Argentinien. Im Jahr 1983 antwortete er in einem Interview auf die Frage, wie er sterben wolle mit:

„Ich möchte an einem Sonntag sterben und Corinthians (São Paulo) soll Meister werden“.

Und Sócrates starb an einem Sonntag. Un, wenige Stunden danach gewann Corinthians die Meisterschaft.

11. Paul Gascoigne - Boozing, Playing und beim World Cup verlieren

Paul Gascoigne nach der Karriere. Foto: Getty Images
Paul Gascoigne nach der Karriere. Foto: Getty Images

Paul Gascoigne war einmal der großartigste Fußballer Englands. Heute ist er eher ein Wrack – nach diversen gespenstischen Auftritten in der Öffentlichkeit und diversen fehlgeschlagenen Alkoholentzugen. Wie konnte es nur so weit kommen? 

Ein Grund: Es gehört zu den Dramen in Gascoignes Leben, dass er die Rolle des Klassenschelms nie loswerden kann. Schon als begnadeter Fußballer war er der notorische Clown in allen Mannschaftskabinen. Und bis heute glucksen die Leute über Klassiker aus dem Anekdotenschatz des von Alkohol- und Drogensucht gezeichneten Ex-Profis.

Etwa wenn er erzählt, wie er damals die Fußballschuhe seines kompletten Teams vertauscht hat. Oder wie er eigenhändig einen Bus voller Touristen um den Piccadilly Circus herumsteuerte. Dafür lieben sie ihn in England. Boozing ist auf der Insel immer noch gesellschaftsfähig.

Doch in Wahrheit gab es über ihn schon kurz nach Ende der Karriere als aktiver Fußballer nichts mehr zu lachen. Er schwebe in akuter Lebensgefahr, kommentierte Gascoignes Manager nach einem sinnfreien öffentlichen Auftritt Gascoignes im Jahr 2015 in einem Gespräch mit der BBC.

„Er braucht dringend Hilfe.“

Die Hoffnung der englischen Fußball-Nation auf einen WM-Triumph

Die Fans vergöttern Paul Gascoigne immer noch. Foto: Getty Images
Die Fans vergöttern Paul Gascoigne immer noch. Foto: Getty Images

2015 war der bis dato absolute Tiefpunkt im Leben des Mannes, der mal der großartigste Fußballer Englands war, die Hoffnung einer Sportnation. Wie konnte es nur so weit kommen?

Tatsächlich brachte der junge Paul Gascoigne alles mit, was man für eine gute Sportlerstory braucht. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, kicken lernte er mit einem Tennisball, weil sich seine Eltern keinen Fußball leisten konnten. Bald wurde er als großes Talent entdeckt und unterschrieb einen Vertrag bei Tottenham Hotspur.

1988 wählte man ihn zum „Nachwuchsfußballer des Jahres“. Seinen Durchbruch aber schaffte „Gazza“ bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, als herausragender Akteur führte er die englische Auswahl bis ins Halbfinale. Unvergessen ist die Szene, in der Gascoigne im Duell gegen Deutschland die zweite gelbe Karte bekam – und hemmungslos in sein Trikot heulte, weil er nun für ein mögliches Finale gesperrt gewesen wäre.

Doch so weit kamt es nicht: Gegen Deutschland war im Elfmeterschießen Endstation, England schied aus. Vielleicht war „Gazza“ nie besser als während dieser WM – dribbel- und kampfstark, ein Antreiber mit unkonventionellen Ideen. Und doch gab es bereits damals die selbstzerstörerische Seite des Engländers. In seiner Autobiographie beschrieb er später, wie er in der Nacht vor dem Deutschlandspiel keinen Schlaf fand. Ruhelos wanderte er durchs Hotel und trat schließlich zur Zerstreuung auf der hauseigenen Anlage zum Tennismatch gegen zwei Amerikaner an. Und das in der Nacht vor dem wichtigsten Spiel seiner Karriere.

Von England nach Italien und zurück auf die Insel

Zum Schluss wurde es peinlich. (Photo by Lu Liang/Getty Images)
Zum Schluss wurde es peinlich. (Photo by Lu Liang/Getty Images)

Später griff Gascoigne gegen seine Schlaflosigkeit immer häufiger zu Alkohol und Tabletten. Ständige Verletzungen und Undiszipliniertheiten warfen ihn sportlich zurück, in den Pausen vom Fußball entdeckte er den Suff als Mittel gegen Einsamkeit und Langeweile.

1992 wechselte Gascoigne zu Lazio Rom, nach ein paar enttäuschenden Jahren in Italien zog er weiter zu den Glasgow Rangers.

Dort klappte es sportlich wieder besser, doch immer wieder geriet er mit privaten Eskapaden in die Schlagzeilen. Seine Frau Sheryl prügelte er 14 Wochen nach der Hochzeit krankenhausreif; nach der kostspieligen Scheidung und diversen Saufexzessen machte „Gazza“ 1998 Bekanntschaft mit einer Entzugsklinik.

„So wird Gascoigne nicht mal 40“,

hieß es schon damals im  „Kicker“.

Quartalssäufer und noch mehr

Verwirrt in der Öffentlichkeit. Foto: Getty Images
Verwirrt in der Öffentlichkeit. Foto: Getty Images

Binge Drinking und Boozing sind in England sowohl in der Arbeiterschicht als auch in der bürgerlichen Mittelschicht und der Oberschicht immer noch ein ausgeprägter Teil der Alltagskultur.

„Betrunken wie ein Lord“ ist heute noch genauso eine typische Redewendung wie die alten Rituale des Zutrinkens und Wettsaufens gerade im Arbeitermilieu nach wie vor eine Bedeutung haben. Umso verblüffender ist es, welche Leistungen Gascoigne auch in seiner späten Karrierephase noch zeigte. 2002, als er bei Everton unter Vertrag stand, betankte er sich – so schilderte er es später in einem Interview – vor dem Match gegen Sunderland mit dreieinhalb Flaschen Wein, zwei dreifachen Brandys und 13 Schlaftabletten.

Gascoigne spielte, fuhrt nach Hause und schlief ein. Als er am nächsten Morgen aufwachte, sagte er später, habe er sich an nichts erinnert. Aber neben seinem Bett stand eine leere Champagnerflasche. Man hatte ihn zum „Man of the Match“ gewählt. Doch solche Lichtblicke konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nun mit der sportlichen Karriere steil bergab ging. Zum Schluss tingelte er von Club zu Club, probierte es nacheinander mit Engagements in der englischen zweiten Liga, in China, Portugal und schließlich im Jahr 2005 als Trainer beim Sechstligisten Kettering Town.

Dort wurde er nach nur 39 Tagen entlassen – Gascoigne sei „vor, während und nach Spielen der ersten Mannschaft alkoholisiert“ gewesen, heißt es von der Klubführung. Währenddessen wurde die Liste seiner Alkohol- und Drogeneskapaden immer eindrucksvoller.

„Vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks“

So sah man Paul Gascoigne zum Schluss selten. Foto: Getty Images
So sah man Paul Gascoigne zum Schluss selten. Foto: Getty Images

„Vier Flaschen Whiskey und 16 Linien Koks“

gab sich Gascoigne nach eigener Aussage in dieser Zeit – und zwar täglich.

2008 landete er insgesamt dreimal in der Psychiatrie, einmal, nachdem man ihn betrunken und verwirrt in einem Londoner Friseursalon aufgegriffen hatte. Ein halbes Jahr verbrachte der gefallene Fußballer damals in einer Reha-Einrichtung und zog danach in eine Wohnung am Meer, in Bournemouth.

Zunächst schien es, als hätte er sein Leben gerade noch in den Griff bekommen. Doch dann folgte jener erschütternde Auftritt bei der Charity-Gala in Northampton. Etwas, so schien es, hatte Gascoigne erneut aus der Spur gebracht. Es folgte der nächste Entzug. Radio-Moderator Chris Evans, Kricketspieler Ronnie Irani, Ex-Fußballstar Gary Lineker und TV-Moderator Piers Morgan setzten ihn laut der „Sun“ in ein Flugzeug nach Phoenix, Arizona. Weil Gascoigne pleite war, sollen sie auch die Kosten für die dortige Entzugsklinik übernommen haben.

Natürlich blieben ihm die Boulevardmedien auch in Amerika auf der Spur. Es gab sofort  ein Foto, das Gascoigne gleich nach der Ankunft in Phoenix zeigte. Die „Sun“ hatte es gedruckt. Man sah Gascoigne, wie er in einer Flughafenbar kauerte. Er hatte sich ein großes Glas Bier bestellt. Ob Gascoigne die Kurve kriegt oder endet, wie George Best? Ob er überhaupt dessen Alter erreicht?  All das ist ungewiss. Viel Glück..

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Nico Patschinski spielte unter anderem für Union Berlin. Foto: Getty Images

10. Gerd Müller: WM-Triumphe, Absturz, Comeback und dann die Krankheit

La Mannschaft 1974. Foto: Getty Images
La Mannschaft 1974. Foto: Getty Images

Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt. Der Bomber der Nation – oder kleines dickes Müller, wie sein erster Trainer im Profibereich, Tschick Cajkovski, ihn in den 60er Jahren nannte.

Gerd Müller war physisch nicht der imposanteste Stürmer – auch nicht zu seinen Glanzzeiten. Aber für eine gewisse Zeit war er der beste Mittelstürmer der Welt. Gerd Müller schoss 398 Tore in 453 Ligaspielen. Und er schaffte 68 Länderspieltore für Deutschland in 62 Länderspielen. Das ist ein Schnitt von mehr als einem Tor pro Länderspiel.

Und als er zurücktrat, war er WM-Torschützenkönig mit 14 Toren. Was ihn besonders auszeichnete, war seine Fähigkeit, sich auf engstem Raum zu bewegen, Gegner stehen zu lassen und aus den unmöglichsten Situationen heraus, Tore zu erzielen. Das konnte keiner auf der Welt so gut wie er. Damit ist er bis heute Vorbild für eine ganze Gruppe von Mittelstürmern, die sich weniger durch Größe oder physische Präsenz als durch Wendigkeit, Reaktionsvermögen und Antizipation auszeichnen.

So gut sich Gerd Müller auf dem Platz zu Recht fand, so schlecht fand er sich nach der Karriere im richtigen Leben zurecht. Auch ihn verschlug es Ende der 70er Jahre in die USA. Aber nicht nach New York sondern nach Florida. Und dort begann wohl auch schon die Episode von Gerd Müller mit dem Alkohol.

Keinen richtigen Platz mehr im Leben

Laudatio auf Gerd Müller. Foto: Getty Images
Laudatio auf Gerd Müller. Foto: Getty Images

Das Tragische an Gerd Müllers Karriere ist, dass der 1979 im Zorn über eine Auswechslung nach Florida ausgewanderte „Bomber der Nation“ nach seinem letzten Spiel für die Orlando Smith Brothers in Fort Lauderdale keinen richtigen Platz mehr im Leben fand.

Jedenfalls keinen, der ihn ausfüllte. Nach drei Jahren in den USA kehrte er 8 Jahre, nachdem er Deutschland zum Weltmeistertitel geschossen hatte,  nach München zurück und stand vor dem persönlichen (nicht dem finanziellen) Nichts.

Im September 1991 wurden Müllers Probleme öffentlich. Weil er angetrunken als Kiebitz beim Bayern-Training angetroffen worden war, weil die Ehefrau sich scheiden lassen wollte und weil auch noch die Steuerfahnder ihre Pflicht taten und zwei Eigentums-Wohnungen pfändeten. Er hatte nicht das Zeug zum autoritären Trainer, cleveren Manager oder eloquenten TV-Experten, das wussten alle, die den gelernten Weber kannten.

„Du bist kein Mann der großen Worte. Du hast die Tore geschossen, ohne viel zu reden“,

So charakterisierte ihn 2003 Franz Beckenbauer in seiner Laudatio, als Gerd Müller zum wertvollsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten gekürt wurde.

Der Held einer Generation

Gerd Müller auf der Trainerbank. Foto: Getty Images
Gerd Müller auf der Trainerbank. Foto: Getty Images

Der Held einer Generation nur noch eine Witzfigur – das konnten die Bayern nicht mit ansehen. Und da reichten die Bayern ihm die Hand. Es war bitter nötig, er war ganz unten. „Schlimmer hätte es gar nicht kommen können. Du bist oben, schwebst im Himmel. Und fällst und fällst. Plötzlich bist du in der Hölle“, sagte er in einem Interview.

„Ich habe sehr gelitten, und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft.“

Seine Freunde: allen voran „der Uli, der Franz und der Kalle“, wie er die Kameraden von einst nennt. Hoeneß, Beckenbauer, Rummenigge – alle haben sie mit ihm gespielt, gesiegt und gefeiert. Nun galt es zurückzugeben. Aber nach diesen Toren riss sich eben 1982 niemand um den Bomber der Nation.

„Nur nichts tun. Den ganzen Tag einfach nur rumsitzen und nichts Sinnvolles machen – das war das Verderben“,

räsonierte er selbst über seine Flucht in den Alkohol.

Bei Prominentenspielen, erzürnte sich sein Weggefährte Uli Hoeneß, hätten sie ihn abgefüllt und sich dann über ihn lustig gemacht. Also überredeten sie ihn, eine Entziehungskur zu machen, auch psychiatrische Hilfe nahm er in Anspruch. Und seine Frau überlegte sich das noch mal mit der Scheidung. Die größte Hilfe aber war der wohl am schlechtesten bezahlte Vertrag, den ihm der FC Bayern je gegeben hat: Seit 1992 war er wieder angestellt bei dem Klub, für den sein Herz schlug und er gab wieder andere Interviews:

„Ich bin vollkommen glücklich, und ich bin beschäftigt“, sagte er 1993, als er die A-Jugend trainieren durfte.

Er war auch schon Sponsorenbetreuer, Talentsucher, Stürmer- und Torwarttrainer, Co-Trainer bei den Profis und zuletzt bei den Amateuren. Doch dann schlug die Alzheimer-Erkrankung zu. Dass muss so um das Jahr 2014 gewesen sein. Der letzte Abschnitt im Leben des Bomber der Nation.

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