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Er gründete Barca, wurde katalanischer Volksheld und zerbrach daran

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Als er den Suizid wählte, war er ganz allein

Der Mann, der den FC Barcelona gründete und daran zerbrach, war Schweizer und heißt Hans-Max „Joan“ Gamper Haessig. Er wurde am 22.11.1877 in Winterthur geboren und hatte alles. Erfolg, Vermögen, die Bewunderung der Massen.

„Barça’s first real important figure“

Hans Gamper - der charismatische Barca-Gründer
Hans Gamper - der charismatische Barca-Gründer

Jedenfalls eine Zeit lang. Denn als er sich am 30.07.1930 erschoss, hatte er nichts mehr. Kein Geld, keine Freunde, Depressionen. Dazwischen lag eine bewundernswerte Karriere als Sportler, Funktionär und Vereinsgründer.

Denn Hans Gamper war Mitgründer des FC Zürich und Gründer und Präsident des FC Barcelona.

Und ein katalanischer Volksheld. Laut offizieller Barca-Website war er

„Barça’s first real important figure“.

Hans Gamper kam als eines von fünf Kindern in Winterthur zur Welt. Nachdem seine Mutter an Tuberkulose gestorben war, zog die Familie nach Zürich in die Heimatstadt des Vaters.

Die schwierige familiäre Situation brachte Hans Gamper zum Sport. Er fühlte sich in vielen Sportarten wohl. So gewann er Radfahrwettbewerbe ebenso wie Laufduelle in der Leichtathletik.

Er spielte Rugby, Tennis und eben Fußball. Und Fußball war der Sport, der ihn besonders begeisterte. Hans Gamper trat 1894 dem FC Excelsior bei. Zwei Jahre später gründete er den FC Zürich mit, bei dem er von 1896 bis 1897 spielte und erster Captain der Clubgeschichte war.

Auch beim FC Basel

Und er war auch an der Gründung des FC Zürich beteiligt.
Und er war auch an der Gründung des FC Zürich beteiligt.

Gamper spielte übrigens auch beim Rivalen FC Basel. Im Oktober 1898 zog er auf Bitten seines Onkels Emili Gaissert, der in der katalanischen Hauptstadt seinen Wohnsitz hatte, nach Barcelona.

Als Buchhalter fand er Arbeit bei der Bank Credit Lyonnais, bei der Sarria-Eisenbahngesellschaft als Chefbuchhalter und als Sportkolumnist. Ferner arbeitete er für zwei schweizerische Zeitungen und half, die Zeitschrift Los Deportes zu veröffentlichen.

Er war aber auch im Zucker- und Kaffeehandel tätig – ein exzellenter Zocker mit Sinn für Spekulationen und Erfolg an der Börse. Jedenfalls ein paar Jahrzehnte lang.

Die Gründung von Barca

Gamper schloss sich in Barcelona der lokalen Schweizer evangelischen Kirche an und begann, im Bezirk von Sarrià-Sant Gervasi mit anderen Protestanten aus der Gemeinde, Fußball zu spielen.

Nach etwa einem Jahr hatte er die Idee, einen eigenen Fußballklub zu gründen und suchte über eine Zeitungsanzeige in Los Deportes nach Interessierten.

Das klappte nach einigen Mühen. Und schließlich wurde der Verein am 29. November 1899 von 36 – ausschließlich protestantischen – Mitgliedern im katholischen Spanien gegründet.

Das war die Geburtsstunde des FC Barcelona. Hans Gamper führte auch die Vereinsfarben Blau und Rot ein.

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Die Farben stammen vom FC Excelsior Zürich?

Jedoch ist umstritten, ob er die Farbgebung von seinem Stammverein FC Excelsior Zürich übernahm, bei dem er selbst gespielt hatte.

Oder ob er von den Farben des FC Basel inspiriert worden ist oder ein anderer Verein für die Farbgebung mitverantwortlich war. Es kann natürlich auch sein, dass er die Farben einfach nur gut und passend fand. Im Endeffekt spielt das auch keine große Rolle.

Erster Kapitän des FC Barcelona

Blau und Rot waren auch die Farben des FC Basel
Blau und Rot waren auch die Farben des FC Basel

Hans Gamper wurde erster Kapitän des FC Barcelona, für den er zwischen 1899 und 1903 120 Tore in 51 Spielen schoss. Er war einer der besten Fußballspieler seiner Zeit und mit großem Abstand der beste Stürmer, den für den FC Barcelona während der ersten 30 Jahre spielte.

Nicht Leo Messi sondern Gamper hält bei Barcelona immer noch den Rekord für die meiste Tore in einem Spiel. Gleich in drei Spielen zwischen 1901 und 1903 erzielte er jeweils neun Tore.

Karriere als Spieler im Steckbrief

Spielzeiten: 1899-1903
Spiele: 51
Tore: 120

Titel

Macaya Cup 1901-02
Barcelona Cup 1902-03

Rückkehr mithilfe der katholischen Frau.
Rückkehr mithilfe der katholischen Frau.

Vertreibung, Exil und Rückkehr

Da die damalige spanische Verfassung nur den Katholizismus als Religion erlaubte, mussten nach 1903 viele Spieler den Verein verlassen, darunter auch Hans Gamper.

Gamper war Protestant und fühlte sich darüberhinaus auch den Freimaurern verbunden. 

Erst 1908 konnte er zum FC Barcelona zurückkehren und wurde zum Präsidenten gewählt. Insgesamt war er zwischen 1908 und 1925 5 Mal Präsident des FC Barcelona.

Einer der Gründe war wohl die Heirat mit einer streng katholischen Schweizerin.

Gamper nahm den Ruf als Vereinsvorstand an. Von 1908 bis 1913 (mit Ausnahme des Zeitraums vom 14. Oktober 1909 bis 17. November 1910) war er nun Präsident des Vereins.

Gamper erreichte die finanzielle Rettung

Gamper erreichte die finanzielle Rettung des Clubs und initiierte den Bau des ersten eigenen Stadions. Unter seiner Führung wurde der Club das Aushängeschild der Katalanen, die nichts so sehr wollten, wie die Unabhängigkeit von Spanien.

Mehr als ein Club

Der Club hatte ein Motto: «Mehr als ein Club.» Das ist bis heute ein politisches Statement. Barça ist die katalanische Nationalmannschaft der Herzen. Zwischen 1908 und 1925 war Joan Gamper 5 Mal Präsident des FC Barcelona. In der Regel wurde er immer dann gerufen, wenn der Verein finanziell oder sonstwie in der Klemme steckte.

Unter Gamper steckte Barca dann nie in der Klemme. Gamper ließ auch das erste Barca-Stadion bauen und steckte privates Geld in den Verein. Viel Geld. Er verdiente an der Börse gut.

Dann kommt das Jahr 1925: Und ab hier wird alles anders. Das Schicksal wendet sich gegen ihn.

Denn es sind nur noch fünf Jahre bis zu seinem Tod durch Selbstmord. In diesen 5 Jahren geht es von ganz oben nach unten.

Vom umjubelten Volksheld zum depressiven vereinsamten Ehemann

Vom umjubelten Volksheld Kataloniens zum vereinsamten und depressiven Ehemann und Familienvater mit horrenden Geldproblemen.

Und es sind fünf Jahre, über die es wenig Detailinformationen gibt. Und wenn, dann widersprüchliche Informationen.

Das Schicksal wendet sich gegen Joan Gamper im Juni 1925, genauer am 14. Juni 1925. Und „Schuld“ ist ein englisches Schiff und ein paar Seeleute mit einer Kapelle, die wenig über Spanien und Katalonien wissen. Und in guter Absicht kamen aber ein Desaster verursachten – zumindest für Joan Gamper.

Ein englisches Schiff, ein Freundschaftsspiel – die Katastrophe

Das Freundschaftsspiel im Barca-Stadion brachte das Unglück. Foto: Getty Images
Das Freundschaftsspiel im Barca-Stadion brachte das Unglück. Foto: Getty Images

Am 14. Juni 1925 organisierte Barca ein Freundschaftsspiel zu Ehren des katalanischen Volkschores Orfeó Català – eigentlich eine harmlose Sache. Ein englisches Schiff legte im Hafen von Barcelona an.

Und Hans Gamper lud die Mannschaft ein, ins Stadion zu kommen. Das taten sie und brachten ihre Musikkapelle mit, die die spanische Nationalhymne spielte – in guter Absicht.

Aber 14.000 Katalanen pfiffen die Hymne aus und jubelten beim Abspielen der englischen Hymne. Das wurde von der spanischen Obrigkeit als politische Demonstration und Opposition gewertet.

Gamper wurde verantwortlich gemacht

Hans Gamper war der Präsident des FC Barcelona und wurde hierfür verantwortlich gemacht. Gamper wurde genötigt zurückzutreten und wegen Unterstützung des „Katalanismus“ vom spanischen Diktator Primo de Rivera für drei Monate des Landes verwiesen. Das Stadion wurde für ein halbes Jahr geschlossen.

Darüber hinaus wurde Gamper jeglicher Kontakt mit dem FC Barcelona verboten. Das traf ihn schwer, da er sein Lebenswerk als zerstört ansah.

Er durfte auf Lebenszeit keine Ämter mehr beim FC Barcelona bekleiden.

Ein gefundenes Fressen für den spanischen Diktator.

Er durfte auf Lebenszeit keine Ämter mehr beim FC Barcelona bekleiden. Seine Enkelin, Emma Gamper, bemerkte in der im Jahr 2008 erschienenen Biographie über ihren Großvater:

«Er ging in dieser Zeit zurück nach Zürich, eine traurige Zeit. Er war enttäuscht und musste sich sehr einsam fühlen.»

Barça wurde während sechs Monaten geschlossen, Büros, Spiele, alles. Irgendwann durfte Hans Gamper wieder nach Barcelona zurückkehren. Aber er musste dem Club fern bleiben.

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Landon Donovoan war einst für den FC Bayern aktiv. Foto: Getty Images

Und jetzt auch noch Börsenverluste

Der Börsencrash 1929 vernichtete alles. Foto: Getty Images
Der Börsencrash 1929 vernichtete alles. Foto: Getty Images

Und plötzlich ging auch sonst alles schief im Leben des bisher so Erfolgreichen. Hans Gamper investierte nach 1925 weiter an der Börse und spekulierte in Amerika. Aber die Börse war im Jahr 1929 nicht mehr wie früher.

Er dachte, dass die Zuckeraktien steigen würden. Das taten sie aber nicht.

Und dann im Oktober 1929 – der Börsencrash, die Weltwirtschaftskrise. Hans Gamper verlor alles, sein ganzes Vermögen. Geholfen hat ihm danach niemand. Sicher hat er in diesen Jahren Hilfe gesucht.

Aber kein Katalane und kein FC Barcelona waren bei ihm. Seine Liebe zum Fußball und zum Verein waren zwar noch da. Aber seine Freunde eben nicht mehr. Hans Gamper erschoss sich am 30. Juli 1930 in seiner Wohnung in Barcelona.

Die Familie, seine Frau Emma und sein Sohn Juan waren zu Hause

Die Familie, seine Frau Emma und sein Sohn Juan waren zu Hause. Marcel, der ältere Sohn war verheiratet und wohnte nicht mehr zu Hause. Was ihn letztlich zum finalen Schritt bewogen hat, bleibt unklar.

Der Tod Hans Gampers führt in Barcelona zu Bestürzung und Trauer. Zur Beerdigung kommen Tausende. Aber da war es schon zu spät mit der Anteilnahme.

Hans Gamper starb verzweifelt und vereinsamt. Einige Jahre vorher war er noch ein großer Volksheld. Der Abstieg vollzog sich noch schneller als der rasante Aufstieg vom Schweizer Einwanderer zum Präsidenten des FC Barcelona.

Das Barca-Stadion darf nicht nach Hans Gamper benannt werden

Der spanische Diktator Franco. Foto: Getty Images
Der spanische Diktator Franco. Foto: Getty Images

1957 soll das neue Stadion nach Hans Gamper benannt werden. Der spanische Diktator Franco verbietet es.

Gamper bleibt regionaler katalanischer Volksheld. Die Zentralregierung in Madrid findet das suspekt. Und heute? Im Museum des FC Barcelona heißt es: «Er war Katalane im Herzen.»

Zu Ehren Gampers organisiert der FC Barcelona jedes Jahr seit 1966 ein Turnier um die Joan-Gamper-Trophäe. Dort erinnert man sich an den strahlenden Gründer.

An das letzte Kapitel in seinem Leben aber nicht, als er jahrelang allein in Barcelona, ohne Club, Freunde und ohne Geld und Auskommen war. Alle Sieger des Joan Gamper Cups seit 1997 zeigt die Tabelle auf der letzten Seite des Posts.

1997 Barcelona2–2 (p) Sampdoria
1998 Barcelona2–2 (p) Santos
1999 Barcelona2–1 Sporting CP
2000 Barcelona2–1 PSV
2001 Barcelona3–2 Parma
2002 Barcelona1–0 Red Star Belgrade
2003 Barcelona1–1 (p) Boca Juniors
2004 Barcelona2–1 AC Milan
2005 Juventus2–2 (p) Barcelona
2006 Barcelona4–0 Bayern Munich
2007 Barcelona5–0 Internazionale
2008 Barcelona2–1 Boca Juniors
2009 Manchester City1–0 Barcelona
2010 Barcelona1–1 (p) AC Milan
2011 Barcelona5–0 Napoli
2012 Sampdoria1–0 Barcelona
2013 Barcelona8–0 Santos
2014 Barcelona6–0 Club León
2015 Barcelona3–0 AS Roma
2016 Barcelona3–2 Sampdoria

 

Und ohne Joan Gamper wäre das Spiel zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona nicht das, was es heute ist. Denn der Verein FC Barcelona wäre nicht das, was er heute ist. Die Rekorde des FC Barcelona zeigen wir auf der nächsten Seite. 

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