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Gone too soon – Diese 10 Fußballstars verstarben während ihrer Karriere

DER GANZE POST IN EINZELNEN KURZVIDEOS ODER ALS DOSSIER

Gone too soon: Diese 10 Fußballer mussten zu früh gehen

Der Tod hat schon viele Fußballstars zu schnell aus unserer Mitte gerissen. Einige wurden das Opfer heimtückischer Krankheiten oder verunglückten tödlich, andere wählten den Freitod oder gerieten ins Visier von Auftragsmördern. 

Eines haben alle tragischen Todesfälle gemein: Sie einen die Fußballfangemeinde und zeigen die Kraft, die von diesem Sport ausgeht. Aufrichtige Beileidsbekundungen, emotionale Aktionen und ein Gedenken, das über das Tagesgeschäft hinausgeht.

Dass ein Spieler bei seinem Verein auch Jahre nach seinem Tod unvergessen ist, ist in unserer schnelllebigen Zeit keine Selbstverständlichkeit. Doch noch heute gedenken die Fans den zu früh gegangenen Ikonen regelmäßig, wenn der eine Tag wieder kommt.

Robert Enke beging Schienensuizid. Foto: Getty Images
Robert Enke beging Schienensuizid. Foto: Getty Images

Reise ins Reich der Schatten

Unsere Reise ins Reich der Schatten beginnt im Jahr 1991 auf der Autobahn irgendwo zwischen dem Bergischen Land und Köln.

Es trifft einen Spieler, der auf dem Sprung zur Nationalmannschaft stand.

Es folgt ein Nationalspieler, der von einer der tückischsten weil immer noch unheilbaren Krankheiten heimgesucht wird.

Die Krankheit brach aus, da wer noch keine 30 Jahre alt.

Andrés Escobar wurde 1994 ermordet. Foto: Getty Images
Andrés Escobar wurde 1994 ermordet. Foto: Getty Images

Die Helden von Bern

Danach gehen wir zurück ins Jahr 1969 und beleuchten, warum die  längst im Herbst ihrer Fußballerkarriere stehenden „Helden von Bern“ nach dem Tod eines anderen Fußballhelden noch einmal auf den Platz zurückkehrten.

Um zu helfen. In einem Länderspiel hat man die Weltmeister von 1954 nach ihrem Triumph nie wieder in der ursprünglichen Formation gesehen.

Der Anlass war traurig. Der Unfalltod eines hoch angesehenen Bundesligaspielers zur Weihnachtszeit.

Junior Malanda kam bei einem Autounfall ums Leben. Foto: Getty Images
Junior Malanda kam bei einem Autounfall ums Leben. Foto: Getty Images

Ein weiterer Autounfall und zwei Attentate

Zum Ende beschäftigen wir uns mit dem Autounfall eines aufstrebenden Bundesligaspielers und zwei tödlichen Attentaten. Auf einen südamerikanischen Nationalspieler, dessen einziges Verbrechen in einem Eigentor bestand und einen deutschen Nationalspieler, der wohl von Auftragsmördern eines Geheimdienstes umgebracht wurde.

Wir schließen mit dem tragischen Selbstmord des Nationalspielers, der sich für seine Tat entschuldigte.

Hier sind zehn Spieler, die im Laufe ihrer Karriere verstarben und viel zu früh von uns gingen. Die Erinnerung an sie ist bis heute unauslöschlich und Teil der Fußballkultur in Europa, Afrika und Südamerika.

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Schuster

Gone too soon 10 - 9: Ein deutscher Nationalspieler und ein polnischer Nationalspieler

Bei der Beerdigung von Maurice Banach war auch Berti Vogts zugegen. Foto: Imago
Bei der Beerdigung von Maurice Banach war auch Berti Vogts zugegen. Foto: Imago

10. Maurice Banach (1967 – 1991): Tod auf der Autobahn

Nein, Maurice Banach hat es nie leicht gehabt. Als Sohn eines afro-amerikanischen GI und einer deutschen Mutter musste sich der talentierte Stürmer schon in der Jugend stärker behaupten als andere.

Ein Lautsprecher wie Jimmy Hartwig, ebenfalls Sohn eines farbigen amerikanischen Soldaten, war Banach nie.

„Durch seine besonnene, zurückhaltende, aber zugleich fröhliche Art genoss er besondere Wertschätzung“,

würdigte ihn der 1. FC Köln in einem Nachruf. Von der B-Jugend bei Borussia Dortmund stieß „Mucki“, wie der 1,85 m große Stürmer auch genannt wurde, mit 17 zum Profikader des BVB, machte in 14 Bundesliga-Einsätzen zwei Tore.

Nach seinem Wechsel zur SG Wattenscheid 09 schoss er den Bochumer Stadtteilklub mit 21 Saisontoren 1989/90 fast im Alleingang in die Bundesliga. Sein Durchbruch, denn der 1. FC Köln verpflichtete den hoffnungsvollen Stürmer im Sommer 1990.

Maurice Banach wurde 1990 im Trikot von Wattenscheid 09 Torschützenkönig der 2. Bundesliga. Foto: Imago
Maurice Banach wurde 1990 im Trikot von Wattenscheid 09 Torschützenkönig der 2. Bundesliga. Foto: Imago

Ein Aufenthalt, der Raum für Spekulationen lässt

24 Banach-Tore in 49 BL-Spielen für den FC ließen aufhorchen. Bundestrainer Berti Vogts hatte den dreimaligen U21-Nationalspieler bereits auf dem Zettel, sah ihn als „ehrgeizigen, aber nie verkrampften Goalgetter“.

Dass die beiden Tore zum 4:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf am 9. November 1991 die letzten im Leben des Maurice Banach werden sollten, wusste zu diesem Zeitpunkt in Müngersdorf niemand.

Eine Woche später blieb Banach im Anschluss an das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 in seiner Heimatstadt Münster. Ein Aufenthalt, der später Raum für Spekulationen lässt.

Banach galt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Foto: Imago
Banach galt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Foto: Imago

Sein Ziel wird er nie erreichen

Banach will am 17. November 1991 zum FC-Mannschaftstraining hinzukommen. Sein Ziel wird er nie erreichen.

Denn am Morgen des gleichen Tages prallt Maurice Banach bei überhöhter Geschwindigkeit auf der A 1 bei Remscheid an einen Brückenpfeiler.

Sein Wagen geht in Höhe der Anschlussstelle Remscheid-Lüttringhausen in Flammen auf, Banach verbrennt in seinem Fahrzeug, den Rettungskräften bietet sich ein Bild des Grauens.

Bei der Beerdigung von Maurice Banach war auch Berti Vogts zugegen. Foto: Imago
Bei der Beerdigung von Maurice Banach war auch Berti Vogts zugegen. Foto: Imago

„Mucki: Unvergessen“

Die Schock-Meldung erreicht die Domstadt schnell.

„Wenn man eine solche Nachricht erhält, erkennt man schnell die Dimension des Sports“,

sagt ein trauernder Weltmeister Pierre Littbarski

Das BL-Spiel der Kölner gegen Dynamo Dresden wird abgesagt. Beim Länderspiel Belgien – Deutschland (0:1) wenige Tage später gibt es eine Schweigeminute für Banach.

„Nur wer vergessen ist, ist tot. Wir werden dich, Mucki, NIE vergessen“,

geloben die FC-Fans später auf einem Spruchband. Die treuen Anhänger halten Wort. Auch zum 25. Todestag 2016 sieht man im RheinEnergie-Stadion ein Banner für Banach. „Mucki: Unvergessen“, lautet die simple Botschaft.

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Landon Donovoan war einst für den FC Bayern aktiv. Foto: Getty Images

9. Krzysztof Nowak (1975 – 2005): Verdammtes ALS

Krzysztof Nowak 2003 bei einem Benefizspiel zwischen Wolfsburg und Bayern. Foto: Getty Images
Krzysztof Nowak 2003 bei einem Benefizspiel zwischen Wolfsburg und Bayern. Foto: Getty Images

Im Rollstuhl über den Rasen

Wolfgang Wolf kämpfte mit den Tränen. Der hartgesottene Pfälzer, in 248 Bundesliga-Spielen für den 1. FC Kaiserslautern als Abwehrspieler ein unangenehmer Gegner, konnte seine Emotionen nur schwerlich zurückhalten.

Im November 2002, beim letzten Heimspiel im alten VfL-Stadion am Elsterweg und vor dem Umzug in die neue Volkswagen Arena, schob der Trainer der Wolfsburger seinen schwer erkrankten Spieler Krzysztof Nowak im Rollstuhl über den Rasen.

Seinen Stammplatz hatte der seit 2000 an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems leidende Pole bei den Heimspielen der „Wölfe“ neben der Trainerbank.

Zu dem Zeitpunkt, als Wolfgang Wolf mit Nowak noch eine Ehrenrunde im künftig nicht mehr genutzten VfL-Stadion dreht, ist der zehnmalige Nationalspieler Polens bereits schwer von der Nervenkrankheit gezeichnet.

FC Bayern spielt für Nowak

Bei dem besagten Benefizspiel kam eine stattliche Spendensumme zusammen. Foto: Getty Images
Bei dem besagten Benefizspiel kam eine stattliche Spendensumme zusammen. Foto: Getty Images

Die Muskeln in seinen Armen können ihren Dienst nicht mehr tun, Autogramme schreibt seine Frau Beata für ihn. An Hilfe für Nowak mangelt es nicht.

Schon nach seinem letzten Heimspiel für den VfL am 27. April 2002 gegen den FC Bayern (0:1) sagen die Münchner Klubverantwortlichen um Manager Uli Hoeneß ihre Unterstützung zu – in Form eines Benefizspiels.

Nowaks Alltag ist da schon längst von einem Arztbesuch-Marathon geprägt. 400.000 Euro erspielen die Bayern und die Wolfsburger später zugunsten der im Mai 2002 gegründeten „Krzysztof Nowak-Stiftung“.

Verdammtes ALS

Krzysztof Nowak spielte einige Zeit für den VfL Wolfsburg. Foto: Allsport
Krzysztof Nowak spielte einige Zeit für den VfL Wolfsburg. Foto: Allsport

Wichtigster Vertrauter von Nowak neben der Familie ist sein Berater Martin Wiesner. „Ohne unsere Freunde würden wir es nicht schaffen“, sagt Beata Nowak.

„Taub und schlapp“,

so beschreibt Nowak die ersten Symptome seiner Krankheit. Ein Taubheitsgefühl in den Armen stellt sich ein, das Trainieren fällt ihm immer schwerer. Am 10. Februar 2001 macht er sein letztes von 83 Bundesliga-Spielen (10 Tore) gegen Hertha BSC. Wenig später ist die Diagnose endgültig.

Die Anteilnahme der Kollegen, die Gespräche mit ihnen in der Kabine, das gebe ihm „viel Kraft, wie die Familie und die Fans“, sagt Nowak nach seinem erzwungenen Abschied. Er besucht Schulmediziner in Deutschland, den Niederlanden in den USA und Malaysia. Die Anzahl der konsultierten Ärzte soll bei 100 liegen. Helfen können sie ihm nicht.

Krzysztof Damian Nowak stirbt am 26. Mai 2005 in Wolfsburg.

Verdammtes ALS!

Gone too soon 8 - 6: Ein kommender italiensicher Superstar, eine Vereinsikone und ein Stasi-Opfer

Andrea Fortunato starb am 25. April 1995 an den Folgen einer Lungenentzündung.
Andrea Fortunato starb am 25. April 1995 an den Folgen einer Lungenentzündung.

8. Andrea Fortunato (1971 – 1995): In Turin unvergessen

Die Erinnerung an Andrea Fortunato ist bei Juventus Turin auch nach mehr als 20 Jahren allgegenwärtig.

Das ist auch gut so. Denn Andrea Fortunato trug Juventus Turin im Herzen. Der italienische Rekordmeister ist der Verein, den er seit seiner frühen Kindheit in Salerno in der italienischen Provinz Kampanien unterstützte.

„Andrea hat immer noch seinen Platz in den Herzen der Juventus-Anhänger, deren Gedanken, gemeinsam mit denen des Klubs, bis heute bei seinen Hinterbliebenen sind und die seitdem eine schwere Zeit zu bewältigen hatten“, heißt es auf der Homepage des Vereins, „Andrea ist zu jung gestorben, aber die Erinnerung an ihn wird für immer weiterleben.“

Como Calcio war von 1989 bis 1991 seine erste Profistation in Italien. Über den FC Genua kam er 1993 zu Juventus Turin, dem Verein seiner Träume. Der ruhige, stets kühl wirkende Abwehrspieler galt zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere nicht nur als größte Defensivhoffnung im Calcio-Land, sondern er passte irgendwie in die Zeit.

Ein Mädchenschwarm wie Baggio

Fortunato wurde, genauso wie Roberto Baggio, von den weiblichen Fans umschwärmt. Foto: Allsport
Fortunato wurde, genauso wie Roberto Baggio, von den weiblichen Fans umschwärmt. Foto: Allsport

Neben seinen Teamkollegen Roberto und Dino Baggio gehörte er zu den am meisten vom weiblichen Publikum umschwärmten Profis in Italien.

Am 22. September 1993 bestritt die personifizierte Abwehr-Hoffnung unter Nationalcoach Arrigo Sacchi ihr einziges Länderspiel für Italien – in Talinn gegen Estland. Im Mai 1994 wurde bei Fortunato akute Leukämie diagnostiziert.

Der Abwehrspieler stellte sich dem Kampf gegen die heimtückische Krebsform und unterzog sich mehreren Operationen. Er schien den Kampf gegen die Leukämie zu gewinnen. Aber an Leistungssport war nicht mehr zu denken.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, wie wunderbar ein einfacher Spaziergang ist“,

sieht Fortunato in den letzten Monaten seines kurzen Lebens die Dinge mit anderen Augen.

Folgen einer Lungenentzündung

Andrea Fortunato ist seit mehr als 20 Jahren tot. Foto: Imago
Andrea Fortunato ist seit mehr als 20 Jahren tot. Foto: Imago

Sein Körper ist allerdings so geschwächt, dass er Infektionen nicht mehr standhält. Nach einer Virusinfektion starb Andrea Fortunato am 25. April 1995 an den Folgen einer Lungenentzündung. Mit gerade mal 23 Jahren – und nur ein Jahr nach seinem letzten Spiel für die Turiner.

Sein bester Freund im Team von Juventus, Fabrizio Ravanelli, erfuhr von Fortunatos Tod auf einer Länderspielreise, die er prompt abbrach.

„Andrea war eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, schreibt sein Freund Ravanelli am 25. April 2017, dem 22. Todestag von Fortunato, bei dem Portal ilbianconeri.com, „und so ungewöhnlich war auch seine Familie, alle hatten einen fantastischen Charakter.

Es wurde ihm eine großartige Zukunft vorausgesagt – bei Juventus und auch im Nationalteam. Sein Tod war schmerzhaft für uns alle – ich habe einen Freund verloren.“

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7. Jürgen Moll (1939 – 1968): Das traurige Comeback der Berner Helden

Jürgen Moll war eine Braunschweiger Ikone. Foto: Imago
Jürgen Moll war eine Braunschweiger Ikone. Foto: Imago

Jürgen Moll und seine Ehefrau Sigrid Mollwitz haben den Urlaub auf Sylt genossen. Acht Tage vor Weihnachten sind sie am 16. Dezember 1968 schon auf dem Rückweg nach Braunschweig, als ihr Wagen in der Nähe von Evendorf in Niedersachsen bei Schneeglätte von der Autobahn abkommt. Moll und seine Frau sterben, zurück bleiben zwei Kinder.

Zu ihren Gunsten entscheiden Eintracht Braunschweig und der DFB sich für zwei Benefizspiele. Eine Auswahl der Braunschweiger und des ärgsten Rivalen Hannover 96 trifft auf eine Art Bundesliga-Allstar-Team.

Viel prominenter ist die erste Partie an diesem 14. April 1969 – mit dem Deutschen Meister von 1967 und der Weltmeistermannschaft von 1954.

Die „Helden von Bern“, die seit ihrem 3:2-Coup gegen Ungarn am 4. Juli 1954 nie mehr in einem offiziellen Spiel gemeinsam antraten, geben ein Comeback.

Angegraut, fülliger geworden

Moll kam bei Schneeglätte mit seinem Auto von der Autobahn ab. Foto: Imago
Moll kam bei Schneeglätte mit seinem Auto von der Autobahn ab. Foto: Imago

Angegraut, fülliger geworden, mit buschigen Koteletten wie der zweifache Final-Torschütze Helmut „Boss“ Rahn und mit dem bereits 50 Jahre alten „Fußballgott“ Toni Turek zwischen den Pfosten, geben sich die WM-Helden die Ehre.

21.000 Zuschauer – Braunschweigs Zuschauerschnitt liegt in der Saison 1968/69 bei 13.000 Fans pro Spiel – sorgen für eine Einnahme von 120.000 Mark – und für eine Menge Wehmut.

Der Name Jürgen Moll steht für die ersten Erfolge von Eintracht Braunschweig in der Bundesliga. 1945 als Kriegsflüchtling von Karlsbad im Sudentenland nach Niedersachsen gekommen, hat er über den Verein Leu Braunschweig den Weg zu den „Löwen“ gefunden.

Ab 1961/62 spielte der Stürmer für Eintracht Braunschweig. Der zu diesem Zeitpunkt 23-Jährige ist am 24. August 1963 mit dabei, als die Braunschweiger als Gründungsmitglied mit einem 1:1 bei 1860 in die neue deutsche Fußball-Ära namens „Bundesliga“ starten.

Braunschweigs Berufs-Außenseiter 1967 gegen Ajax Amsterdam.

Historisches in Braunschweig

Jürgen Moll war eine Braunschweiger Ikone. Foto: Imago
Jürgen Moll war eine Braunschweiger Ikone. Foto: Imago

Nur eine Woche später trägt sich Moll ins Geschichtsbuch von Eintracht Braunschweig. Im ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Preußen Münster (1:0) erzielt Jürgen Moll nach 15 Minuten das erste Heimtor im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße.

Acht Tore im Bundesliga-Premierenjahr 1963/64 bedeuten für Moll einen persönlichen Rekord in der deutschen Fußball-Eliteliga. Sieben Treffer steuert er 1966/67 zum bis heute größten Husarenstück der Braunschweiger bei. Mit einer Mannschaft ohne Stars landet Trainer Helmuth Johanssen die für lange Zeit größte Überraschung in der Liga-Geschichte.

Moll, Stammspieler und Führungspersönlichkeit bei den Braunschweigern, machte in der darauffolgenden Saison auch international von sich reden. Im Europapokal der Landesmeister erreichte er mit dem krassen Außenseiter Braunschweig das Viertelfinale gegen das große Juventus Turin.

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Nico Patschinski spielte unter anderem für Union Berlin. Foto: Getty Images

6. Lutz Eigendorf (1956 – 1983): Tödlicher Seitenwechsel

Lutz Eigendorf (rechts) war sechsmal für die DDR-Nationalmannschaft aktiv. Foto: Bundesarchiv
Lutz Eigendorf (rechts) war sechsmal für die DDR-Nationalmannschaft aktiv. Foto: Bundesarchiv

Es ist nur eine Stunde, die fehlt. Am 7. März 1983 wird der Braunschweiger Fußballprofi Lutz Eigendorf gegen 22 Uhr in seiner Stammkneipe „Cockpit“ in Begleitung seines Fluglehrers Manfred Müller zum letzten Mal lebend gesehen.

Um kurz nach 23 Uhr geht ein Notruf bei der Polizei Braunschweig ein, wonach der 26-jährige Mittelfeldspieler mit seinem Alfa Romeo GTV6 auf der Forststraße, unweit des Flugplatzes, von der Fahrbahn abgekommen und an einen Baum geprallt sei.

Wenige Minuten vor Mitternacht klingelt bei Eigendorfs Ehefrau Josephine das Telefon. Ihr Mann, so erklärt ein Notarzt, habe einen schweren Autounfall gehabt.

„Er wird wahrscheinlich sterben“,

so der Unfallmediziner. Zwei Tage später ist Eigendorf, der bei dem Aufprall schwere Kopfverletzungen davontrug, tot.

Ein Agenten-Thriller in der Bundesliga?

Lutz Eigendorf in der Bundesliga. Foto: Imago
Lutz Eigendorf in der Bundesliga. Foto: Imago

Die Ereignisse in den letzten Stunden vor Eigendorfs Unfall bieten Anlass für viele Spekulationen. Und für eine nie vollständig bewiesene These:

Wurde Eigendorf, wegen seiner spielerischen Klasse als „Beckenbauer der DDR“ gefeiert, beim Stasi-Klub BFC Dynamo hofiert und nach seiner „Republikflucht“ 1979 als „Verräter“ verfemt, vom Staatssicherheitsdienst ermordet?

Ein Vertreter dieser Mord-Theorie ist der Historiker Heribert Schwan, der mit seinem Dokumentarfilm Tod dem Verräter im Jahr 2000 – lange nach dem Mauerfall und der deutschen Wiedervereinigung – großes Aufsehen erregte. Sein Film: Eine Agentenstory im damals noch biederen Umfeld der Fußball-Bundesliga.

Seine Argumentation: Der bei Eigendorf – der Bundesligaprofi wollte nach Aussage seiner Frau „nur auf ein Bier rausgehen“ – ermittelte Blutalkoholgehalt von 2,2 Promille dürfte tatsächlich wesentlich höher gelegen haben. Für Schwan ein Indiz dafür, dass Eigendorf zunächst entführt und dann mit Alkoholspritzen behandelt wurde, ehe er auf kurvenreicher Strecke geblendet worden sei.

Wiederholt wegen übermäßigen Alkoholgenusses aufgefallen

Die Beerdigung von Lutz Eigendorf. Foto: Imago
Die Beerdigung von Lutz Eigendorf. Foto: Imago

Für die Staatanwaltschaft jedoch kein entscheidender Beweis.

Der für den „Fall Eigendorf“ zuständige Staatsanwalt Hans-Jürgen Grasemann verwies in diesem Zusammenhang auf Aussagen ehemaliger Mitspieler, wonach Eigendorf – 53 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Kaiserslautern und acht Einsätze für Eintracht Braunschweig – zuvor wiederholt wegen übermäßigen Alkoholgenusses aufgefallen sei.

Seinen Frust über seine Nicht-Nominierung für Braunschweigs BL-Auftritt beim VfL Bochum wollte Eigendorf an diesem Tag schließlich wohl mit einem Bier herunterspülen.

Während seiner Sperre trainierte Eigendorf die „kleinen roten Teufel“

Eigendorf (rechts) spielte nach seiner Flucht unter anderem in Kaiserslautern - gemeinsam mit Friedhelm Funkel. Foto: Imago
Eigendorf (rechts) spielte nach seiner Flucht unter anderem in Kaiserslautern - gemeinsam mit Friedhelm Funkel. Foto: Imago

Ein Fakt, der den „Fall Eigendorf“ zu einem ewigen Mysterium in der Bundesliga-Historie macht – und einen düsteren Schatten auf die fußballerischen Qualitäten des sechsmaligen DDR-Nationalspielers (3 Tore) wirft.

Von einem DDR-Gericht im März 1979 wegen „ungesetzlichen Grenzübertritts“ per Haftbefehl gesucht und von der FIFA auf Antrag des DDR-Fußballverbandes (DFV) für ein Jahr gesperrt, hielt sich Eigendorf in Lautern fit, arbeitete auf der FCK-Geschäftsstelle und trainierte die B-Jugend der Pfälzer.

Sein Bundesliga-Debüt gab er am 11. April 1980 beim 4:1-Erfolg des FCK gegen den VfL Bochum, mit Lautern erreichte er 1982 das UEFA-Pokal-Halbfinale. Die Auswärtsspiele bei Akademik Sofia im damals sozialistischen Bulgarien und bei Spartak Moskau machte er aus Sicherheitsgründen nicht mit.

In der fußballverrückten Pfalz steht Eigendorf im Zusammenhang mit dem größten Spiel, das je in Kaiserslautern stattfand: Am 17. März 1982 brachte ihn Trainer Karl-Heinz Feldkamp beim 5:0-Triumph über die Königlichen von Real Madrid (Viertelfinal-Rückspiel) nach 75 Minuten für den zweifachen Torschützen Friedhelm Funkel in die Partie.

Zwar finden sich in den Unterlagen der MfS-Hauptabteilung XXII durchaus belastende Notizen zu „Personengefährdungen“, in denen Eigendorf im Zusammenhang mit „Verblitzen“ (Blenden), „Unfallstatistiken“, „Ohnmacht“ und „Narkosemitteln“ erwähnt wurden.

Dass Eigendorf, der sich nach seiner Absetzung in den Westen am Rande eines Freundschaftsspiels von Dynamo Berlin beim 1. FC Kaiserslautern 1979 während eines Stadtbummels in Gießen öffentlich kritisch über das DDR-Regime äußerte, einem Anschlag zum Opfer fiel, lässt sich umgekehrt jedoch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit ausschließen.

IM Klaus Schlosser

Zwischen 1980 und 1982 spielte Lutz Eigendorf für die Lauterer. Foto: Imago
Zwischen 1980 und 1982 spielte Lutz Eigendorf für die Lauterer. Foto: Imago

Auch weil, der ehemalige Stasi-Mitarbeiter IM „Klaus Schlosser“, bürgerlich Karl-Heinz Felgner, am 9. Februar 2010 aussagte, zwar einen Mordauftrag für Lutz Eigendorf erhalten, diesen jedoch nicht ausgeführt zu haben.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Aussage blieben.

Die MfS-Akten der Jahre 1980 bis 1983 zu Felgners Person gelten als verschwunden – und Anfang 2011 wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens wegen eines Auftragsmordes seitens der Staatsanwaltschaft abgelehnt.

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