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Das sind die größten Fan-Feindschaften der Bundesliga

Author: escronanlt

DIE STORY IN EINZELNEN KURZVIDEOS

DIE STORY IN EINZELNEN KURZESSAYS

Mehr als sportliche Gegner? Feindschaft, Hass, Wut?

Es gibt Gegner – ganz normale. Mit den entsprechenden Rivalitäten. Und es gibt Freundschaften – weniger unter den Vereinen aber unter den Fans. Aber dann gibt es auch das Gegenteil. Das sind die größten Fan-Feindschaften der Bundesliga. Diese Fans “verachten” einander wirklich.

Fanfeindschaften in der Bundesliga. Foto: Getty Images
Fanfeindschaften in der Bundesliga. Foto: Getty Images

Zum Teil eindeutig begründbar und seit Jahrzehnten bekannt und gepflegt, zum Teil eher unscharf, amorph und nur bei einem Teil der Anhängerschaft wirklich kultiviert. Manchmal regional begründet durch Nähe und dadurch natürliche Derby-Rivalität.

Manchmal entstanden durch zum Teil lange zurückliegende Ereignisse, an die sich kaum noch ein Fan erinnern kann, der sofort weiß, was WhatsApp und Snapchat sind.

Deshalb haben wir versucht, die größten Fanfeindschaften in der Bundesliga, die besonderen Fanfeindschaften unter den Bundesligaklubs zu rekonstruieren.

Geschichten über deren Entstehung wiederzugeben und Begründungen zu liefern. Manchmal klingt das dann wie der Opa, der am Lagerfeuer von seiner Jugend erzählt. Manchmal aber auch wie die Intrigen und Rivalitäten bei Game of Thrones.

Wobei – brutal wird es zum Glück nicht und vergiftet wird auch keiner. Und Inzest haben wir auch nicht gefunden.

Ein Schritt vor und zwei zurück

Fanfeinde in England. (Photo by Paul Gilham/Getty Images)
Fanfeinde in England. (Photo by Paul Gilham/Getty Images)
Wir fangen an im Westen gehen dann nach Süd-Westen und zu den Nordmännern. Es folgen der Pott, die Hauptstadt und ganz zum Schluss landen wir tief im Süden.

Die besondere Lebenseinstellung der Fans des Klubs, der am Schluss vorgestellt wird, taugt als Blueprint fürs Leben.

Ein Schritt vor und zwei zurück. Und wehe es gibt einen Titel. Dann hat man sich zu sehr gefreut und es gibt sofort eins auf die Glocke. Es droht sofort der totale Absturz.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

3 Arten von Fanfeindschaften

Zum Weinen, zum Jubeln, zum Lachen (Photo by Mario Tama/Getty Images)
Zum Weinen, zum Jubeln, zum Lachen (Photo by Mario Tama/Getty Images)

Wir unterscheiden 3 Arten von Fanfeindschaften: Regional begründete Feindschaften, Ereignis begründete Feindschaften und keiner weiß warum Feindschaften.

Während die regional begründeten Fanfeindschaften in der Regel nachvollziehbar sind und historisch gewachsene Rivalitäten unter Nachbarn sind (Platzhirsch-Syndrom), sind die „keiner weiss so richtig warum“ Feindschaften seltsam. Hier gibt es häufig gleich mehrere Geschichten, die erzählt werden, warum und wie es zur Feindschaft kam.

Wichtig:  Feindschaften zwischen den „normalen“ Fams und den Ultras unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Wir haben deshalb am Schluss des Posts mal eine Aufstellung wesentlicher ULtra Freundschaften und Feindschaften versucht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das ist eher „Work in Progress“.

Fanfeinde 1 – 3: Vom Rhein-Derby bis zum Emporkömmling mit dem ach so vielen Geld

Borussia Mönchengladbach: Die „Buuren“ und der 1. FC Köln. Foto: Getty Images

1. Borussia Mönchengladbach: Die „Buuren“ und der 1. FC Köln

Gladbach gegen Köln, das ist kein normales Spiel, „dat is Jeföhl“. Die besondere Feindschaft zwischen dem 1. FC Köln und den Borussen vom Niederrhein ist sowohl regional begründet als auch Ereignis begründet.

Viele führen sie aber auf eine Person zurück, die Gründungsmitglied des 1. FC Köln im Jahr 1948 war und dort in den 50er Jahren als Trainer wirkte – Hennes Weisweiler.

Denn 1964 wechselte Don Hennes, Ur-Kölner und Dozent an der Sporthochschule in Köln, überraschend zum Provinzverein nach Gladbach. Beide Vereine trennten damals Welten.

Der FC war gerade deutscher Meister geworden und die Gladbacher spielten noch nicht einmal in der Bundesliga.

Das sollte sich aber 2 Jahre später ändern und von 1966 an begann der rasante Aufstieg der Fohlen.

Unter der Ägide von Weisweiler, der mit Vornamen nicht zufällig auch noch so hieß wie das Kölner Maskottchen und der nach Siegen in den Derbys mit dem 1. FC Köln (und meistens gewannen ja die Gladbacher) gerne grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Gänge der Kölner Universität lief.

Nummer 1 im Westen der Republik

Weisweiler ist eine Gladbacher Legende. Foto: Getty Images
Weisweiler ist eine Gladbacher Legende. Foto: Getty Images

Und schnell entwickelten sich die „Buuren“ (Bauern) vom Niederrhein zur Nummer 1 im Westen der Republik und der 1. FC Köln musste sich mit der Nummer 2 zufriedengeben.

Das änderte sich erst wieder als Hennes Weisweiler nach seinem Scheitern als Trainer des FC Barcelona den 1. FC Köln übernahm und 1978 zur bis dato letzten deutschen Meisterschaft führte.

Aufgrund des besseren Torverhältnisses

BL Saison 1979/1980 Eintracht Braunschweig gegen den FC Köln (weisses Trikot) 2:1 am 23.02.1980. Im Foto: Trainerbank mit FC Trainer Hennes Weisweiler - re. Hannes Löhr.
BL Saison 1979/1980 Eintracht Braunschweig gegen den FC Köln (weisses Trikot) 2:1 am 23.02.1980. Im Foto: Trainerbank mit FC Trainer Hennes Weisweiler - re. Hannes Löhr.
Ganz knapp, nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den Borussen, denen auch der Rekordsieg gegen die anderen Borussen (12:0) – damals von Otto „Torhagel“ trainiert – am letzten Spieltag nichts half.

Denn der 1. FC Köln schoss 5 Tore auf St. Pauli und gewann sein letztes Spiel ebenfalls.

EINE ANDERE LIGALIVE STORY?

Landon Donovoan war einst für den FC Bayern aktiv. Foto: Getty Images

2. 1. FC Köln: Das Fading Platzhirsch Syndrom und die Emporkömmlinge Gladbach und Leverkusen

1. FC Köln: Das Fading Platzhirsch Syndrom und die Emporkömmlinge Gladbach und Leverkusen. Foto: Getty Images
1. FC Köln: Das Fading Platzhirsch Syndrom und die Emporkömmlinge Gladbach und Leverkusen. Foto: Getty Images

Fanfeindschaften des 1. FC Köln sind eindeutig Ereignis bezogen. Man kann sie am besten mit dem „Fading Platzhirsch Syndrom“ erklären. Denn die Rivalität zwischen den rheinischen Klubs Köln, Gladbach und Leverkusen war zum Beispiel in den 50er Jahren kaum ausgeprägt.

Damals war Borussia Mönchengladbach sogar die erste Mannschaft, die am neu erbauten Geißbockheim, dem Klubhaus des 1. FC Köln, zu Gast war.

Mit Preußen Delbrück wähnten die „Geißböcke“ zu dieser Zeit noch den größten rheinischen Rivalen innerhalb der eigenen Stadtgrenzen. Und dann gab es für die Kölner ja noch Fortuna Köln und Viktoria Köln.

Aber dann wurden die Gladbacher eben in den 70er Jahren so richtig erfolgreich und der rheinische Platzhirsch aus der Domstadt war fortan nur noch die Nummer 2 in der Region.

In der 2. Bundesliga zum Derby

Hennes Weisweiler ist der Meistertrainer von Borussia Mönchengladbach und vom 1. FC Köln. Foto: Imago
Hennes Weisweiler ist der Meistertrainer von Borussia Mönchengladbach und vom 1. FC Köln. Foto: Imago

Wobei in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrtausends sowie in den 0-er Jahren des neuen Jahrtausends die sportlichen Erfolge beider Vereine eher rar gesät waren und man sich auch schon mal in der 2. Bundesliga zum Derby traf.

Da traf es die Kölner besonders hart, dass sich dort, wo für den Ur-Kölner eigentlich bereits die Ukraine anfängt, auf der schälen Sick am rechten Rheinufer nämlich, ein neuer Konkurrent auftat. Ein Konkurrent ohne große Tradition aber mit deutlich mehr Geld.

Jojo-Team, das mal aufstieg, dann aber wieder gleich in die 2. Bundesliga musste

Die Rede ist von Bayer Leverkusen. Und während Bayer jahrelang als Vizekusen um die deutsche Meisterschaft mitspielte, verkam der FC zum Jojo-Team, das mal aufstieg, dann aber wieder gleich in die 2. Bundesliga musste.

Doch das schien sich in den letzten Jahren geändert zu haben. Gladbach und Bayer spielten regelmäßig um die Champions-League Plätze und der 1. FC Köln hatte sich im Mittelfeld der Liga etabliert. Der FC blieb die Nr. 3 am Rhein. Auch wenn in der Saison 2016/17 sogar die Qualifikation für die Euro-League raussprang.

Doch kaum schien sich alles positiv beruhigt zu haben, da setzte beim 1. FC wieder das Selbstzerstörungssyndrom ein. In der Saison 2017/18 stiegen die Kölner ziemlich sang- und klanglos in die 2. Bundesliga ab. Und noch schlimmer – Fortuna Düsseldorf stieg in die Bundesliga auf.

Jetzt ist man nur noch die Nr. 4 am Rhein. Zum Glück stieg Fortuna Köln nicht auch noch in die 2. Bundeslig auf.

3. Bayer Leverkusen – Zum Hassen zu kultiviert. Noch nicht mal den 1. FC Köln

Bayer Leverkusen – Zum Hassen zu kultiviert. Noch nicht mal den 1. FC Köln. Foto: Getty Images
Bayer Leverkusen – Zum Hassen zu kultiviert. Noch nicht mal den 1. FC Köln. Foto: Getty Images

Bayer Leverkusen wird eher gehasst, als dass die Fans von Bayer andere Vereine und Fans dissen oder hassen. Denn dazu sind die Bayer-Anhänger eigentlich zu kultiviert und distinguiert.

In Leverkusen ist man daher eher pikiert, ob der ganzen Emotionen der Fans in Köln, Gladbach und Düsseldorf. Allerdings gehört natürlich das Rheinderby gegen den FC Köln zu den brisantesten Begegnungen für Bayer 04.

Denn der sportliche Aufstieg des Vereins begann ja zeitgleich mit dem Abstieg des 1. FC Köln. So konnte es in den letzten 25 Jahren aber selten ein Spiel auf sportlicher Augenhöhe geben, was natürlich die Emotionen auf Leverkusener Seite moderierte.

Die Antipathie der Leverkusener gegenüber den Kölnern speist sich aber auch noch aus einer anderen Quelle. Die Stadt Köln wollte in den 70er Jahren Leverkusen eingemeinden, um Millionenstadt zu werden. Der damalige NRW Ministerpräsident wusste dieses durch seine Kommunalreform zu verhindern. Jetzt heisst Leverkusen weiterhin Leverkusen und nicht zum Beispiel Köln-Wiesdorf oder Köln-falsche Rheinseite.

Und da die Fans von Bayer 04 im Deutschen Fußball den Ruf von braven Fußballkennern haben, halten sich Rivalitäten mit anderen Vereinen in engen Grenzen.

Den Untergang des 1.FC Köln

Roger Schmidt (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Roger Schmidt (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Selbst Lokalspiele gegen Borussia Mönchengladbach oder Fortuna Düsseldorf fallen in aller Regel freundlich aus. Beispielsweise feierte man zum Saisonabschluss 2010 im Borussiapark gemeinsam die Verabschiedung von Oliver Neuville – aber eben auch den Untergang des 1.FC Köln. Etwas “Hass” muss sein.

Es existiert eine Fanfreundschaft mit den Fans von Kickers Offenbach, die ihre Begründung in der Rivalität mit Eintracht Frankfurt hat.

Was war geschehen? Ein ziemlich hartes Foul von Jürgen Gelsdorf (Bayer 04) an Cha Bum (damals Eintracht) mit längerer Verletzungspause des Gefoulten vor mehr als 30 Jahren. Das brachte die Frankfurter Fans dermassen auf, dass es sogar Morddrohungen gegenüber Gelsdorf gab.

Beim nächsten Spiel gegen Leverkusen wollten sich die Frankfurter Fans an den Leverkusener Fans rächen, diese bekamen daraufhin Unterstützung von Fans der Offenbacher Kickers. Seitdem gibt es eine Fanfreundschaft zwischen Leverkusen und Offenbach.Der fußballerische „Hass“ auf Frankfurt eint beide Fanlager.

So sind Besuche von Offenbachern bei Spielen gegen die Eintracht ebenso regelmäßig und zahlreich wie die „Bayer und OFC“ Gesänge.

Abstiegskampf in Leverkusen und Titel en Masse in Bayern

Werder Bremen v Bayer Leverkusen - Bundesliga (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Werder Bremen v Bayer Leverkusen - Bundesliga (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Eine „gewünschte“ sportliche Rivalität gibt es mit dem FC Bayern München. Fans und Mitarbeiter im Verein erinnern sich nach wie vor an die vielen Sticheleien aus München.

Ebenso das Abwerben vieler Spieler, die immer wieder zu den vielen Erfolgen des FC Bayern beitrugen.

Doch der Abstand zwischen der Bestia Negra von der Isar und dem Provinzklub von der rechten Rheinseite ist eben auch deutlich größer geworden in den letzten Jahren. Abstiegskampf in Leverkusen und Titel en Masse in Bayern.

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